Betrug/Unlauter?

Die drei Begriffe im Überblick

BegriffKurze BedeutungRechtliche Grundlage
IrreführendDie Werbung sagt etwas Falsches oder verschweigt Wichtiges.Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (§ 5 UWG)
UnlauterDie Werbung ist unfair, aggressiv oder verstößt gegen die guten Sitten im Geschäftsleben.Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG)
BetrugJemand wird absichtlich getäuscht, verliert dadurch Geld und der Täter bereichert sich.Strafgesetzbuch (§ 263 StGB)

1. Irreführend (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, § 5 UWG)

Bedeutung: Eine Werbung ist irreführend, wenn sie unwahre Angaben macht oder wichtige Informationen verschweigt. Dadurch bekommt der Kunde ein falsches Bild von einem Produkt.

Beispiele aus Ihrer Werbung:

  • «Das Produkt war in der Sendung ‚Die Höhle der Löwen'» – das ist falsch.
  • «Sie nehmen 5 bis 20 Kilo in wenigen Tagen ab» – das ist übertrieben und unwahr.
  • «Das Produkt hat keine Nebenwirkungen» – während Ärzte vor Leberschäden warnen – das ist Verschweigen einer wichtigen Information.

Folge: Irreführende Werbung ist verboten, aber sie ist nicht automatisch eine Straftat. Abmahnungen oder Bußgelder sind möglich.


2. Unlauter (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, UWG)

Bedeutung: Unlauter ist ein Oberbegriff für alles, was gegen fairen Wettbewerb verstößt. Irreführende Werbung ist eine Art von unlauterem Verhalten. Es gibt aber noch mehr: z. B. aggressive Verkaufsmethoden (ständige Anrufe, Druck machen), gezieltes Nachmachen von Marken oder das Ausnutzen von Kindern.

Beispiele aus Ihrer Werbung:

  • Die Werbung nutzt falsche «Beweisvideos» und gefälschte Berichte – das ist unfair gegenüber anderen Herstellern.
  • Die Seite versteckt die echten Risiken (Leber, Herz) und tut so, als sei alles harmlos.

Folge: Unlauteres Verhalten ist eine Ordnungswidrigkeit oder ein zivilrechtlicher Verstoß (man kann auf Unterlassung klagen). Keine Gefängnisstrafe, aber teure Abmahnungen.


3. Betrug (Strafgesetzbuch, § 263 StGB)

Bedeutung: Betrug ist eine Straftat und liegt vor, wenn alle folgenden Punkte zusammenkommen:

  1. Täuschung – Der Verkäufer sagt etwas Falsches über eine Tatsache (z. B. «Das Produkt ist von Ärzten geprüft»).
  2. Irrtum – Der Kunde glaubt das und hat eine falsche Vorstellung.
  3. Vermögensverfügung – Der Kunde bezahlt das Produkt (gibt Geld aus).
  4. Schaden – Das Produkt ist nichts wert, der Kunde hat sein Geld verloren.
  5. Vorsatz – Der Verkäufer wusste, dass es falsch ist, und wollte den Kunden betrügen.
  6. Bereicherungsabsicht – Der Verkäufer wollte sich selbst oder einem anderen einen unrechtmäßigen Vorteil verschaffen.

Beispiele aus Ihrer Werbung:

  • Die Werbung sagt: «Abnehmen in wenigen Tagen» und «aus Höhle der Löwen» – das sind falsche Tatsachen (1).
  • Der Kunde glaubt das und kauft das Produkt (2+3).
  • Das Produkt wirkt nicht – der Kunde hat 50 € umsonst ausgegeben (4).
  • Der Hersteller weiß, dass die Behauptungen gelogen sind (5+6).

Folge: Betrug ist eine Straftat und kann mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren (in schweren Fällen bis zu 10 Jahren) bestraft werden.


Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

MerkmalIrreführend / UnlauterBetrug
Was steht im Mittelpunkt?Schutz des fairen WettbewerbsSchutz des einzelnen Vermögens (Geld)
Braucht es einen finanziellen Schaden?Nein, schon die falsche Werbung ist verbotenJa, das Opfer muss Geld verlieren
Wer kann dagegen vorgehen?Mitbewerber, Verbände, VerbraucherzentralenJeder Geschädigte kann Strafanzeige stellen
Strafe / FolgeAbmahnung, Unterlassung, BußgeldGeldstrafe oder Freiheitsstrafe
Beispiel«Unser Shampoo macht Haare doppelt so lang» (falsch)Verkäufer kassiert Geld, liefert aber nichts

Was bedeutet das für die Werbung zu «vitaGLP»?

  • Die Aussage «aus der Höhle der Löwen» ist irreführend (eine klare falsche Tatsache).
  • Die Versprechen «5-20 Kilo in wenigen Tagen» sind ebenfalls irreführend und dazu unlauter (weil wissenschaftlich unmöglich).
  • Das Verschweigen der Nebenwirkungen (Herz, Leber, Muskeln) ist irreführend durch Unterlassen.
  • Wer das Produkt kauft und feststellt, dass es nicht wirkt, könnte auch einen Betrug erleiden – denn der Hersteller hat absichtlich mit falschen Versprechen Geld verdient. Allerdings ist der Betrug im Einzelfall oft schwer zu beweisen, weil die offizielle Produktseite vorsichtig formuliert ist.

Merke: Nicht jede irreführende Werbung ist gleich Betrug. Aber beides ist verboten – die irreführende Werbung durch das Wettbewerbsrecht (UWG) und der Betrug durch das Strafrecht (StGB).


Was können Sie tun?

  • Bei irreführender Werbung: Melden Sie sie bei der Verbraucherzentrale oder schicken Sie eine Abmahnung (lassen Sie sich von einem Anwalt beraten).
  • Bei Betrug: Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei (auch online möglich) – besonders wenn Sie Geld verloren haben.