{"id":10827,"date":"2026-08-13T04:44:26","date_gmt":"2026-08-13T03:44:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beluga59.ch\/belugablog\/?p=10827"},"modified":"2026-08-13T06:56:52","modified_gmt":"2026-08-13T05:56:52","slug":"bag-unterlassung-kostet-jeden-buerger-hunderte-franken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beluga59.ch\/belugablog\/?p=10827","title":{"rendered":"BAG &#8211; Unterlassung kostet jeden B\u00fcrger hunderte Franken"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die Milliarden-L\u00fccke bei Medikamenten-Rabatten: Wer zahlt die Zeche?<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweizer Krankenkassenpr\u00e4mien steigen seit Jahren unaufhaltsam. W\u00e4hrend Pr\u00e4mienzahlende jedes Jahr aufs Neue ihre Budgets anpassen m\u00fcssen, zeigt ein Bericht der Eidgen\u00f6ssischen Finanzkontrolle (EFK) ein massives Aufsichtsdefizit: Durch unzureichend kontrollierte Medikamenten-Rabatte entgingen dem System \u00fcber die letzten vier Jahre sch\u00e4tzungsweise bis zu zwei Milliarden Franken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber was bedeuten diese Zahlen konkret f\u00fcr das Gesundheitssystem, die Pr\u00e4mienentwicklung und die Kantone?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ist passiert? Die Rechtslage und das Kontrolldefizit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) ist in <strong>Artikel 56 Absatz 3<\/strong> eindeutig: Leistungserbringer wie Arztpraxen, Spit\u00e4ler und Apotheken sind verpflichtet, Rabatte, Skonti und R\u00fcckverg\u00fctungen, die sie beim Einkauf von Arzneimitteln von Herstellern oder Grossisten erhalten, an die Krankenversicherer \u2013 und damit an die Pr\u00e4mienzahlenden \u2013 weiterzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Realit\u00e4t sah laut der EFK jedoch anders aus:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Gesch\u00e4tztes Sparpotenzial:<\/strong> Die Finanzkontrolle beziffert die j\u00e4hrlichen geldwerten Vorteile im Arzneimittelbereich auf rund <strong>740 Millionen Franken<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Das Leck im System seit 2020:<\/strong> Rund die H\u00e4lfte davon \u2013 etwa <strong>350 bis 370 Millionen Franken pro Jahr<\/strong> \u2013 verblieb unsachgem\u00e4ss oder gesetzwidrig bei den Leistungserbringern, statt kostend\u00e4mpfend zu wirken.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Ursache:<\/strong> Das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG\/Elisabeth Baume-Schneider) vernachl\u00e4ssigte die entsprechende Aufsicht und Kontrolle \u00fcber Jahre hinweg, unter anderem wegen Personalabbaus und der Priorisierung der Covid-19-Pandemie.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber einen Zeitraum von sechs Jahren summiert sich dieser Fehlbetrag auf rund <strong>2 Milliarden Franken<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">H\u00e4tte das die Pr\u00e4mienerh\u00f6hungen gestoppt?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Betrag von 2 Milliarden Franken ist immens, entspricht aber bei Gesamtausgaben der obligatorischen Krankenversicherung (OKP) von aktuell rund 38 bis 40 Milliarden Franken pro Jahr etwa 5 bis 6 Prozent eines Jahresbudgets. Umgerechnet auf die letzten vier Jahre fehlen dem System rund 370 Millionen Franken pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Auswirkungen auf die Pr\u00e4mien:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kein vollst\u00e4ndiger Stopp:<\/strong> Die Ausgaben der Grundversicherung steigen j\u00e4hrlich um rund 1,2 bis 1,8 Milliarden Franken. Die strukturellen Haupttreiber \u2013 allen voran die demografische Entwicklung, die Zunahme ambulanter Behandlungen sowie der medizinisch-technische Fortschritt \u2013 w\u00e4ren auch mit funktionierenden Rabattkontrollen wirksam geblieben.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Aber eine deutliche D\u00e4mpfung:<\/strong> H\u00e4tten die 370 Millionen Franken pro Jahr das System entlastet, h\u00e4tte dies den j\u00e4hrlichen Pr\u00e4mienanstieg um <strong>1,3 bis 1,5 Prozentpunkte<\/strong> ged\u00e4mpft. Bei den teils drastischen Spr\u00fcngen der letzten Jahre von 6 bis 8 Prozent entspricht das einer Reduktion des Anstiegs um ein Viertel bis ein Drittel.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Pro-Kopf-Entlastung:<\/strong> F\u00fcr jede versicherte Person h\u00e4tte dies eine Ersparnis von durchschnittlich <strong>120 bis 150 Franken pro Jahr<\/strong> bedeutet.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die untersch\u00e4tzte Kettenreaktion: Belastung der \u00f6ffentlichen Hand<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schaden beschr\u00e4nkt sich keineswegs nur auf die privaten Haushalte. Weil die Gesundheitskosten durch fehlende Rabatte k\u00fcnstlich \u00fcberh\u00f6ht wurden, gerieten auch die \u00f6ffentlichen Finanzen von Bund und Kantonen massiv unter Druck:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>H\u00f6here Ausgaben f\u00fcr die Pr\u00e4mienverbilligung (IPV):<\/strong> Die Individuelle Pr\u00e4mienverbilligung bemisst sich an den tats\u00e4chlichen Pr\u00e4mien. K\u00fcnstlich \u00fcberh\u00f6hte Pr\u00e4mien f\u00fchren dazu, dass Steuergelder in Form von h\u00f6heren Verbilligungen direkt an die Krankenkassen fliessen m\u00fcssen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Mehr Bezugsberechtigte:<\/strong> Da die Pr\u00e4mien schneller stiegen als die Reall\u00f6hne, rutschten immer mehr Haushalte unter die Einkommensgrenze f\u00fcr eine IPV-Berechtigung. Die Kantone mussten somit f\u00fcr mehr Personen h\u00f6here Beitr\u00e4ge zahlen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Direkttreffer bei Erg\u00e4nzungsleistungen und Sozialhilfe:<\/strong> Bei Bez\u00fcgerinnen und Bez\u00fcgern von Sozialhilfe oder Erg\u00e4nzungsleistungen (EL) \u00fcbernehmen die Kantone und Gemeinden die Grundversicherungspr\u00e4mie zu 100 Prozent. Jeder unberechtigte Pr\u00e4mienprozentpunkt belastete diese Budgets eins zu eins.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Doppelt zur Kasse gebeten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kontrollmangel f\u00fchrt zu einer doppelten Belastung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung. Schweizer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zahlen f\u00fcr diesen Systemfehler an zwei Fronten:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Als Pr\u00e4mienzahlende<\/strong> \u00fcber monatlich k\u00fcnstlich \u00fcberh\u00f6hte Krankenkassenrechnungen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Als Steuerzahlerinnen und Steuerzahler<\/strong>, weil Steuermittel aufwendig eingesetzt werden mussten, um die Folgen der Pr\u00e4mienexplosion abzufedern.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fall unterstreicht, dass Transparenz bei Transaktionspreisen im Gesundheitswesen kein administratives Detail ist, sondern ein wesentlicher Hebel zur Sicherung eines bezahlbaren Gesundheitssystems.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Milliarden-L\u00fccke bei Medikamenten-Rabatten: Wer zahlt die Zeche? Die Schweizer Krankenkassenpr\u00e4mien steigen seit Jahren unaufhaltsam. 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